Notizbuch 71

Metaphern und Metamorphosen der Landschaft
Frank Lorberg
(2007) DIN A5, 304 Seiten, (13,25 Euro)

… ist alles so schön bunt hier ...“
(Nina Hagen Band, „Ich glotz TV“, 1978).

„Wer nur auf Straßen geht, muss zwangsläufig annehmen, alle Dörfer seien hintereinander aufgereiht. Sie liegen aber in der Landschaft umher.“
(Peier o. Chotjewitz. Die Herren des Morgengrauens. S.177).

In seiner Arbeit „Metaphern und Metamorphosen der Landschaft – Die Funktion von Leitbilder in der Landespflege“ betätigt sich Frank Lorberg mit bewundernswerter Feinfühligkeit und Akribie beim Einreißen von Leitbildern und -Vorstellungen nicht nur in der „Landespflege“, sondern auch in dem, was aktuell als moderne Planung vorherrscht und aktuell zu sein vorgibt. Im besten Sinne von Wissenschaft betreibt er die Kritik von Modellvorstellungen, wobei er – selbstverständlich – nicht umhinkommt, selbst Modelle entgegenzusetzen, die jedoch in ihrer kritischen Anwendung die systematische Fehlleistung der herrschenden Leitbilder entlarven. Fast immer dienen letztere der Aufrechterhaltung einer Herrschaft von Fachleuten, die glauben, über Landschaft alles zu wissen, oder einer moralisierenden Lenkung der Menschen.(aus dem Vorwort von Helmut Holzapfel)

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Notizbuch 70

Von Zeit zu Zeit
F. Bellin & H. Böse-Vetter (Red.)
(2006) Band 1 und 2, DIN A5, 424 Seiten, Tabellenbeilage, (656 g), (15,25 Euro)

Von Zeit zu Zeit nehmen wir einen Anlass wie diesen,
20 Jahre AG Freiraum und Vegetation
25 Jahre Notizbücher der Kasseler Schule
und fragen Texte an, was bei denen, die anfragen, immer einen Rest Unsicherheit lässt, als könne es doch einmal sein, dass niemand antwortet. Aber wie schon bei Notizbuch 40 vor 10 Jahren fiel auch diesmal die Antwort üppig aus, so üppig übrigens, dass die zwei Bände von Nr. 70 nicht ausreichen, alle ungefähr 600 eingereichten Seiten von über 30 AutorInnen aufzunehmen; da folgen dann noch umfangreichere Arbeiten zur Vegetation nach.
Die beiden Bände versammeln Beiträge aus der ganzen bunten und breiten Palette des Arbeitens und Denkens der Arbeitsgemeinschaft Freiraum und Vegetation und ‚umzu‘: aus Tanz und Bewegung, Lehre und Forschung, Landschafts- und Landeskunde, Vegetationskunde und Vegetationshandwerk, zur Pflege- und Freiraumplanung, zur Vogel- und Klimakunde. Und wem das nicht reicht, dem sind noch spannende Beiträge von AutorInnen geboten, die wir bis hierhin auch kaum kannten und die den Anlaß mit aufgegriffen haben. Natürlich wird die ‚Geschichtsschreibung‘ der ‚AG‘ fortgeführt – nebst einiger Sprüche und Späßeken -, deren Arbeit seit 1995 und auch seit K.H. Hülbusch’s Emeritierung 1999 sich immer noch sehen und hören lassen kann.
Alles in allem also zwei Sammelbände und eine Situation, die einen Blick zurück rechtfertigen: „Wer hätte gedacht, dass wir so weit zählen lernten“, schreibt Karl Heinrich Hülbusch in diesem siebzigsten Notizbuch. Es ist wohl die eigene Verwunderung darüber, dass wir immer noch produktiv sind, die uns dazu animiert, Jahresringe zu markieren und von Zeit zu Zeit besondere ‚Meilensteine‘ zu setzen.

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Notizbuch 69

Die Forstpflanzengesellschaften des Hunsrücks im Lichte ihrer Wirtschaftsgeschichte
E. J. Klauck
(2005) DIN A5, 220 Seiten, Tabellenbeilagen, (322g), (11,50 Euro)

Inhaltsverzeichnis

Das Heft liefert eine solide und spannende Darstellung der aktuellen Fortspflanzengesellschaften des Hunsrück. Wie der Titel ankündigt, geht es dem Autor in erster Linie darum, die Herkunft, den Wandel der Vegetationsausstattung im wirtschaftsbedingten „Werden und Vergehen“ (R.Tüxen, 1966) einer Landschaft zu verfolgen und darzustellen.
Die Arbeit wurde als Dissertation am Fachbereich 06 Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung an der Universität Gesamthochschule Kassel zur Erlangung des Dr. Ing. eingereicht.
Ergänzt und Bebildert wird das Heft durch zahlreiche Photocollagen von Katharina Hüllbusch.

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Notizbuch 68

Vor der Haustür
F. Bellin & H. Böse-Vetter (Red.)
(2007) DIN A5, 208 Seiten (11,50 Euro)

Beiträge für Notizbücher liegen selten vor der Haustür, die Gegenstände von Betrachtungen schon. Vegetationsaufnahmen kann man buchstäblich vor fast jeder Haustür machen, auch wenn in manchen Fugen zwischen Beton und Asphalt keine Vegetation Platz hat. Spurenlese ist nicht auf die Pflanzen angewiesen. Die Vegetation ist aber im Unterschied zu Beton ein Gegenstand der besonders viel ‚verrät’. Das Lesenlernen in der Vegetation kann den Spaziergang oder den Weg zum Feld bereichern. Manchmal, wie in der Geest, kann der tägliche Blick absichtlich aufgeweitet und um Beobachtungen und mitgebrachtes Wissen von Kollegen ergänzt werden. Man muß den Anlaß für ein ‚Gespräch’ herstellen, wenn Erträge wie die hier versammelten entstehen sollen. Manchmal gilt dieses Gespräch auch einem fiktiven Partner, der ‚stiller Partner’ (Berger & Kellner) von Beobachtungen und Notizen wird, wie im Fall der Vegetation von Nordheim eine lokale Schriftenreihe, die dann mit der Mitteilung doch überfordert war. Die Qualität vegetationskundiger Mitteilungen an die ‚Gemeinde’ der Vegetationskundlerinnen lag schon immer darin, dass diese nicht nur für eine Adressatin in der Gegenwart lesbar sind, sondern auch darin, dass sie Vergleich und Gedanken über Zeiten hinweg erlauben, wie Bernd Sauerwein im Nach-denken über Cruciata laevipes und wie Bernd Gehlken, Eberhard-Johannes Klauck und Karl Heinrich Hülbusch in der Debatte um Corydalis claviculata ausführen.
Schnecken bilden in dieser Reihe von Beobachtungen in alltäglichen Situationen keine Ausnahme, zumindest nicht für jene, welche einen Garten haben. Im Gegenteil, Schnecken entgehen professioneller Aufmerksamkeit kaum anders als Poa annua im Sportrasen. Wenn der Lebenszyklus von Schnecken nicht bekannt ist, treibt die Suche nach Patentrezepten der Ausrottung ebenso munter Blüten, wie die Suche nach dem ‚perfekten’ unkrautfreien Rasen.
Dabei zeigt dieser dritte Band mit Beiträgen, die zum Jubiläum 2006 gesammelt wurden, dass Hinsehen zur rechten Zeit und Erinnerung vorgeleisteter Arbeit nicht nur Gesprächsnotizen und Kommentare anregen, sondern auch die Neugier befriedigen, die üblicherweise in die Ferne schweift und den Platz vor der Haustür gering schätzt.

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Notizbuch 67

Symposien der AG Freiraum und Vegetation 2001-2004
G. Moes & B. Sauerwein (Red.)
(2005) DIN A5, 232 Seiten (364g) (11,50 Euro)

Seit 2001 wurde jährlich im Anschluss an die Jahreshaupt- versammlung des Vereines eine professionelle Erzählrunde gesetzt. Vorbild hierfür waren die Symposien älterer Veranstaltungen, allem voran die von R.Tüxen initiierten Symposien der Internationalen Vereinigung für Vegetationskunde.
Die Jahreshauptversammlung bot einen vereinsnotwendigen Anlass sich zu treffen, und nachdem sich die Lebens- und Arbeitsorte vieler von Kassel wegbewegt haben, waren die zufälligen Treffen seltener geworden, do dass dieser Rahmen zum gegenseitigen Austausch an Bedeutung gewann.
Den Austausch in eine professionelle, reflektierende und damit solidere Bahn zu lenken war der Ausgangspunkt der Überlegungen zu den Symposien.
Das neue Notizbuch sammelt die verschrifteten Beiträge der letzten 4 Jahre und rettet damit die Vorträge und Erzählungen auch über die Jahre. Frei nach dem Tenor des Schlußkapitels:
„Wer schreibt, der bleibt.“

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Notizbuch 66

Unter Verschluß – Der ‚modische Bebauungsplan‘
F. Bellin & K H. Hülbusch, (Red.)
(2006) DIN A5, 204 Seiten (304g) (11,50 Euro)

Rechtzeitig zum dritten Teil der Wollingstseminare zur Bebauung im März 2006 erscheint mit Notizbuch 66 die ausgearbeitete erweiterte und vergnügliche Version des Seminarreaders von ‚Wollingst II‘. ‚Wollingst I‘ debattiert den ‚Garten zum Einfamiliengebäude‘, also die Freiräume (nachzulesen in Notizbuch 58 Licht und Schatten). ‚Wollingst III‘ wird Einfamiliengebäude- und Hausgrundrisse verhandeln.
Die Debatten und Beiträge von ‚Wollingst II‘ sind der Kritik des ‚modischen Bebauungsplanes‘ ebenso gewidmet, wie dem tauglichen und sparsamen Bebauungsplan. Wer Bebauungspläne einer kritischen Prüfung zu unterziehen will, muß Vergleichsmaßstäbe setzen können. Und wer einen tauglichen und sparsamen Bebauungsplan vorlegen will, sollte über Regeln und Prinzipien verfügen können, die ebenfalls den Vergleich der Fälle und die Kenntnis von Vorbildern voraussetzen. Geeignete Merkmale müssen gefunden und benannt werden, wie die ’synthetischen‘ Merkmale der ‚Relationen‘. Statt des völligen Mangels von Maßstäben und Maßen in der ‚Stadtplanung‘ sind hier Schritte zu Vergleich und Systematik nebst Regeln und Prinzipen zu finden. Um Klarheit und Präzision zu finden, kann der Weg noch weitergehen. Das zeigen auch die Debatten, die dem Seminar gefolgt und für das Notizbuch niedergeschrieben worden sind.

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Notizbuch 65

Gartenflora. Bestimmungsschlüssel für einkeimblättrige Gartenpflanzen
Klauck, E.J.
(2004) DIN A5, 242 S. (360g) (11,50 Euro)

Die Zahl erläuternder und beschreibender Staudenbücher ist mittlerweile auf eine beträchtliche, vielleicht unübersehbare Zahl angewachsen. Gartenarchitekten, Planer, Gärtner und Blumenliebhaber nutzen diese Literatur, um ein Nachschlage­werk zur Unterstützung der Arbeit zu haben. Doch sind diese beschreibenden Stau­denbücher sehr oft nur im Vorfeld, also bei der Auswahl von Pflanzen für bestimmte Zwecke nutzbar. Eine Bestimmungsliteratur, wie sie in der Botanik für wildwachsen­de Pflanzen existiert, fehlt weitestgehend bei der Verwendung von Gartenge­wächsen. Gerade eine solche Bestimmungsliteratur, sozusagen eine „Exkursions­flora“ für Gartenpflanzen ist wichtig und notwendig, um also real vorhandenen Arten benennen zu können. Das Bestimmen von Gartenarten, die wir in Parks oder Garten vorfinden, ist mit der vorhandenen Literatur schwer möglich, weil sie oft alphabetisch geordnet ist, nicht aber systematisch. Oft bleibt beim Bestimmen nur „blättern“ übrig. Um Kulturangaben nachlesen zu können, ist es wichtig, den botanischen Namen der Pflanze zu kennen. Unser Bestimmungsschlüssel will also nicht die beschreibenden Pflanzenbücher ersetzen, sondern die Lücke schließen, an der lebenden Pflanze anhand botanischer Merkmale deren Namen finden zu können. Wir gehen also von den in Gärten bereits gepflanzten Blumen und Gräsern aus mit der Fragestellung nach den botanischen Namen, während lexikalische Literatur von der Fragestellung geleitet wird: Was kann wo gepflanzt werden? (aus: Ein Wort vorher in Gartenflora, E.-J. Klauck 2004).

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Notizbuch 64

Von gemeinen Hufen
B. Gehlken & K. H. Hülbusch (Red)
(2004) DIN A5, 196S. (304g) (9,25 Euro)

Die Siedlungstypisierung ist mangels anderer Merkmale formalistisch nach der Graphik des Straßenmusters durchgeführt worden. Im Vergleich zu den völlig unverständlichen Stadtplänen der Administration ist das ein Schritt zur verstehenden Abbildung, die neben der äußeren Form auch die Ausstattung für den Gebrauch skizziert. Wenn der Siedlungsgrundriß über die Art der Bebauung – Gebäude oder Häuser -, die Straßenlänge und Straßenfläche, die Einwohnerdichte und die Haus- oder Türdichte je Flächeneinheit bzw. Einwohner weiter präzisiert wird, erhält man eine solide Einsicht über die ‚Natur der Stadt’, die menschlich hergestellte Geologie und Morphologie der Siedlung. Diese Siedlungskunde ist ebenso wie die Haus- oder Gebäudekunde ein sträflich vernachlässigtes Feld in der beruflichen Kenntnis von Architekten, Städtebauern und Grüngestaltern, weil sie damit ihre Unbedarftheit beim Entwurf aller möglichen Abstrusitäten zu entschuldigen wissen. Da mit Unkenntnis jeder Fehler vorweg schon entschuldigt ist, kann der Fehler nur vervollkommnet werden. Eine kluge Siedlungskunde muß darauf aus sein, daß die äußeren Merkmale so präzise beschrieben und abgebildet werden, daß die synthetischen Merkmale (die Eigenschaften und Folgen) unmißverständlich daraus ablesbar sind. D.h. auch, daß die Merkmale solide differenziert und abgebildet werden. Und zwar so, daß die synthetischen Merkmale nicht hinzugefügt werden müssen, sondern aus der Gegenstandsabbildung abgelesen werden können, wissentlich. Die Vorbereitung der monolithischen Flächensiedlung von Bauhaus-Gnaden ist genetisch schon im Gründerzeitblock vorbereitet. Dagegen steht die an der Straße orientierte Hufenstadt, die den kommunalen und privaten Anteil an de Siedlung solide trennt und gleichzeitig eng nebeneinander legt. Was jedem autistischen Städtebauer Angst macht, weil Nähe bedrohlich ist.

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Notizbuch 63

Von der Klassenfahrt zum Klassenbuch – Lythro-Filipenduletea an Hamme, Wümme und Oste
F. Bellin und K. H. Hülbusch (Red.)
(2003) DIN A5, 152 S. (234g) (9,25 Euro)

Die orthodox bestrittene Klasse der Lythro-Filipenduletea Klauck 1993 ist immer eine Reise wert. Und dies natürlich an einen Ort, an dem diese Gesellschaften gemein zu finden sind. Im August 2002 haben wir uns mit zwölf Forschern auf die Klassenfahrt begeben und Vegetationsaufnahmen gemacht, die angesichts der historischen Vorgaben niemand alleine hätte machen können, weil dazu der Mut nie ausgereicht hätte. Herausgekommen sind knapp zweihundert Aufnahmen, die im Vergleich zu den historischen Vegetationsaufnahmen nicht mehr von Molinietalia-Arten begleitet werden. Zudem ist bis auf signifikante Vorkommen, die Preisings Überlegung von naturbürtig stabilen Filipenduletea – Gesellschaften bestätigen, die Verbreitung tendenziell flächig und versaumt. Der wirtschaftsbedingte Saum an der Grenze von Gewässern und Grünland (Calthion , Molinion), durch die Mahd stabilisiert tritt jetzt vornehmlich in einer dynamischen Phase mit Begleitern aus den Artemisietea oder Phragmitetea auf. Trotzdem, oder gerade deshalb ist das Fundament der Filipenduletea auch in der Verbreitung der Assoziationen und Subassoziationen vergleichbar geblieben. Jedenfalls ist es nicht die Gesellschaft, die den Naturschützern so heilig ist. Hier gilt wieder mal die bewährte Metapher, daß jede Gesellschaft die Landschaft hat, die sie verdient, aber nicht versteht, weil die Heiligen der Vergangenheit nachtrauern, zu deren Abschaffung sie selbst beigetragen haben.
Der piefigen Kritik an Klaucks systematischer Ordnung der Klasse haben wir mit einer soliden Erweiterung aus guten Gründen eins draufgesetzt. Neben der pflanzensoziologischen Beweisführung am Gegenstand gilt uns hier vornehmlich die Frage des Verstehens, von der R. Tüxen (1972) forderte, daß die Gegenstandsabbildung keinen Sinn mache, wenn damit nicht auch landschaftskundliche Einsichten erworben würden: Was ist da, ist der Gegenstandsabbildung gewidmet; was bedeutet das, gilt dem Verständnis oder der Interpretation. Niemand, der die Landschaft betrachtet, macht die darin enthaltene Arbeit. Könner sind Leute, die Arbeit tun, Kenner sind Leute, die die Arbeit verstehen, von der ‚hohen Warte‘ des Elfenbeinturms (Panofsky, E. ). Vom Elfenbeinturm aus darf man allerdings die Scheinheiligkeit des Historiographen kritisieren, der liebt, was es nicht mehr gibt. Wenn es gute Gründe gibt, die Welt zu ändern, muß zuerst verstanden werden, was geschieht und warum.
„Die Wahrheit liegt nicht tiefer,
sondern ganz woanders“ (J. Berger)
Oder ganz einfach: die Vegetation ist nicht Ursache, sondern Ausdruck der Wirtschaftsweise. Dafür ist die ‚Klassenfahrt‘ eine genüßliche Darlegung, die im Übrigen dem Markt der verkauften Meinungen nicht nacheifert.

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Notizbuch 62

Anthropogene Vegetation
E. J. Klauck (Red.)
(2004) DIN A5, 268 S. (398g) (11,50 Euro)

Der Titel „Anthropogene Vegetation“ Ist R. TÜXEN (1966) entlehnt und gleichzeitig gewidmet. Wir sehen das Thema, den Gegenstand, ‚weit‘ und ‚eng‘. ‚Weit‘, weil sowohl die angebaute wie die spontane, absichtliche oder unabsicht­liche Vegetation Gegenstand der Betrachtung ist.
In den ersten Beiträgen stehen floristische Themen mit Überlegungen zur Nutz­ung und zur Ökonomie im Vordergrund. Sabine KINN-DIPPEL ‚weckt‘ den ‚Geist des Flachses‘, Bernd SAUERWEIN entdeckt Gagea pratensis und Carex pendula in Kassel und Karl Heinrich HÜLBUSCH beschreibt die klimatische Ökonomie der Gemüsekulturen. Es folgen Beitrage mit pflanzensoziologisch-vegetationskundlichem Inhalt, die vom Wegrand stammen und klassische Saumgesellschaften behandeln, von Flächengesellschaften berichten, die (noch) genutzt werden, aber auch von Wirtschaftsbrachen und deren Indizien bis zu Baumbeständen. Siegfried KRAUSS und Bernd SCHÜRMEYER leiten über zu Beiträgen vorwiegend landschaftsplanerischer Themen. Der Text von KRAUSS & SCHÜRMEYER wurde bereits 1987 publiziert und hat nichts an Aktualität eingebüßt. Wir geben hier zwei Leserbriefe im Faksimile wieder, so­zusagen die ‚Stimme aus dem Lande‘. Sie sind der Nachweis darüber, daß KollegInnen sich über unsere Arbeiten freuen. Der Beitrag von KRAUSS & SCHÜRMEYER rief aber auch eigenartige Kommentierungen hervor, die bestens die Nähe und Distanz in der Debatte zeigen, das Verständnis von Ve­getation und Landschaftsplanung – so sie denn überhaupt noch geführt wird. Es ist doch eigenartig, daß zustimmende Leserbriefe nicht in der ‚einschlägigen‘ Presse abgedruckt werden, ablehnende dagegen offenbar willkommen sind (vgl. z.B. HACKENBERG (1987)). Wenn beispielsweise DIERSCHKE & BRIEMLE (2000) in ihrem Buch „Kulturgrasland“, das Bernd SAUERWEIN und Karl Heinrich HÜLBUSCH in diesem Notizbuch kommentieren, die Arbeitsergeb­nisse aus der Kasseler Schule unterschlagen (z.B. HÜLBUSCH 1969,1986, 1987, MEERMEIER 1993, KLAUCK 1993, LÜHRS 1994), macht das die Sprachlosigkeit der Autoren allzu deutlich. Auch HARD (u.a. 1981; 1998) wird unterschlagen. Karl Heinrich HÜLBUSCH hat u.a. eine Entgegnung zur ab­gewiesenen Publikation in Tuexenia zur Lythro-Filipenduletea Kl. 1993 verfaßt. Die Ablehnung von der Tuexenia-Redaktion ist interessant, weil einige Autoren (z.B. PREISING et al. 1997, MÜLLER 2003, WEBER 2003) die neue Klasse der hygrophilen Saumgesellschaften, Streuewiesen und Versaumungen längst zitieren. PREISING et al. (1997) haben sie validiert. Den Abschluß macht der Beitrag von SAUERWEIN über vegetationskundige Begriffe und deren Begreifen, womit dargetan wird, daß ohne Bezug zum Ge­brauch, zur Alltäglichkeit, zur Ökonomie, das Verständnis der Vegetation ab­strakt und spekulativ, damit aber auch nicht mehr sinnvoll verfügbar wird. (Vor-weg Worte zum Notizbuch 62 von E.-J. Klauck und K.H. Hülbusch 2003).

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